Existenzgründung: Kredit auch ohne Sicherheit

Die Finanzierung ihres Geschäftsvorhabens ist für Existenzgründer zumeist schwer zu realisieren. Aufgrund der Risiken bei Unternehmensgründungen sind Banken in aller Regel bei der Kreditvergabe sehr zurückhaltend, vor allem wenn die erforderlichen Sicherheiten fehlen. Die Bürgschaftsbanken der Länder stellen für diese Fälle das Förderprogramm “Bürgschaft ohne Bank” bereit.

Die drei Möglichkeiten der Existenzgründungs-
finanzierung

Der Gründer sieht sich drei Quellen einer einer möglichen Unternehmensfinanzierung gegenüber, die jedoch von der Stellung von Sicherheiten abhängig sind. Nicht jeder Existenzgründer verfügt über die erforderlichen Sicherheiten, auch die Familie kann und will bisweilen nicht einspringen. Die Möglichkeiten bestehen im klassischen Bankkredit,dem geförderten Kredit über eine Bank wie die KfW, die dem Bund zugehört, und direkte Zuschüsse von Bund, Ländern sowie weiteren Institutionen. Diese direkten Zuschüsse sind fast ausschließlich ebenfalls an einen Kredit gekoppelt, sie bestehen in einer teilweisen Tilgungsfreiheit von etwa 5 – 10 Prozent der Kreditsumme.
Die geförderten Kredite der KfW oder der Afa werden über die Hausbank des Unternehmers abgewickelt, die den Kredit weiterleitet, also mit allem erforderlichen Aufwand die Abwicklung übernimmt, dabei aber fast nichts verdient. Das macht das Kreditgeschäft für die Hausbank unattraktiv, die daher oftmals nur wenig Engagement zeigt und in Einzelfällen sogar die Bearbeitung verschleppt. Um überhaupt den Kredit zu erhalten, auch den geförderten Kredit, benötigt der Existenzgründer erstens einen überzeugenden Businessplan, der schon vor dem ersten Beratungstermin vorliegen muss. Die Banken wollen ihn in Ruhe vorab prüfen, wobei weder der Nutzen für die Zielgruppe noch eine besonders geniale Geschäftsidee ausschlaggebend sind, sondern einzig die Executive Summary sowie die Zahlen, die einen möglichen Gewinn ausweisen müssen. Zweitens sind Sicherheiten ausschlaggebend, zudem werden 20 Prozent Eigenkapital in aller Regel vorausgesetzt. Existiert als Sicherheit eine unbelastete Immobilie, ist die Kreditvergabe für die Banken kein Problem. Der dritte Punkt beim Darlehensantrag ist das Auftreten des Existenzgründers, da Banken gern von den drei P´s (People, People, People) als Grundlage für einen Geschäftserfolg ausgehen.

Das BoB-Programm

Es ist schwer zu sagen, welche der drei Voraussetzungen einen Kreditantrag am meisten beeinflussen. Generell ist nichts gegen einen ausgearbeiteten Businessplan einzuwenden, wenn dieser nicht vorliegt, kann der Gründer tatsächlich scheitern. Ob man die Kreditvergabe allzu sehr vom Auftreten einer Person abhängig machen soll, die ihre Kompetenzen wahrscheinlich auf anderen Gebieten als Bankverhandlungen hat, darf hinterfragt werden, ist jedoch nicht der springende Punkt. Denn hierzu begleiten auch Unternehmensberater den Existenzgründer zum Bankgespräch. Eines lässt sich jedoch unter Garantie sagen: Ohne Sicherheiten werden im klassischen Bankgeschäft Darlehen einer bestimmten Größenordnung prinzipiell nicht vergeben. An dieser Stelle springen die Bürgschaftsbanken der Länder mit dem BoB-Programm (Bürgschaft ohne Bank) ein. Die Bürgschaftsbank prüft hierbei den Businessplan, ohne eine Bank einzuschalten. Im günstigen Fall erhält der Gründer eine Bürgschaftszusage, mit der er seine Hausbank aufsuchen kann. Auch eine vorläufige Absage mit Verweis auf Nachbesserungen im Businessplan wäre denkbar, dann wird ein zweiter Anlauf gestartet.
Existenzgründer sollten vor einem Darlehensantrag alle Fördermöglichkeiten kennen und dann gut vorbereitet an die Banken herantreten.

Businessplan erstellen

Der Geschäftsplan heißt auf Englisch Businessplan und um diesen zu erstellen, wird der Existenzgründer vor eine schier unlösbare Aufgabe gestellt. Natürlich haben die Meisten so etwas noch nie vorher gemacht und meist muss auch kein zweiter Businessplan erstellt werden. Wer sich jedoch an eine ganz einfache Checkliste hält, kann jedoch relativ einfach einen Geschäftsplan erstellen. In einer Checkliste werden Punkte gelistet, welche dringend in einem Businessplan auftauchen müssen. Zudem sollte der Geschäftsplan gut gegliedert sein und der Start findet mit einer Art Zusammenfassung statt. In der Zusammenfassung stehen der Name des Gründers, der Name des geplanten Unternehmens und eine Geschäftsidee. Zusätzlich müssen die Qualifikationen erwähnt werden, welche die Geschäftsidee realisierbar machen. Weiterhin steht der geplante Kundenkreis drinnen und Möglichkeiten, die Kunden zu erreichen. Sehr wichtige Informationen in der Zusammenfassung sind die Höhe des Gesamtkapitalbedarfs, das erwartete Umsatzvolumen, welche Ziele und Risiken bestehen, wie viele Mitarbeiter nach drei Jahren beschäftigt werden sollen und der Zeitpunkt der geplanten Gründung der Existenz.

Danach folgen Angaben im Geschäftsplan zu der Gründerperson, welche Qualifikationen diese hat, welche Berufserfahrung, welche Zulassungen, kaufmännische Kenntnisse, Branchenkenntnisse, besondere Stärken, Defizite und der Ausgleich der Defizite. Im Anschluss werden Angaben zu der entsprechenden Dienstleistung und zu dem jeweiligen Produkt gemacht. Wichtig ist hierbei, um welche Dienstleistung oder um welches Produkt es sich handelt, wo die Besonderheiten liegen, wann die Produktion beginnt, wie ist der aktuelle Stand der Entwicklung, wann startet die Vermarktung, müssen Zulassungen oder Genehmigungen erteilt werden, welche weiteren Entwicklungsschritte sind notwendig, wird ein Verfahren zum Testen durchgeführt, wann wird vielleicht eine Null-Serie auferlegt und wann ist das Patentierungsverfahren abgeschlossen.

Eine Marktübersicht erfolgt an vierter Stelle zu der Geschäftsidee von dem Businessplan, darin steht, wo und wer die Kunden sind, bestehen Referenzkunden, wie sind die Kundensegmente zusammengesetzt, ist eine Abhängigkeit von Großkunden vorhanden, haben die Kunden Bedürfnisse, gibt es Konkurrenten, die Produkte der Konkurrenz im Vergleich, Stärken und Schwächen der Konkurrenz, eventuelle eigene Schwächen, wo werden die Produkte angeboten, wieso gerade dieser Standort und gibt es Nachteile des Standorts.

Der nächste wichtige Punkt zu der Geschäftsidee im Geschäftsplan sind das Marketing, Fragen zu dem Nutzen eines Angebots, wie hebt sich das Produkt im Vergleich zu Konkurrenz ab, die Strategie für den Preis, die Höhe des Preises, die Kalkulation von dem Preis, die Größen des Absatzes, die Zielgebiete, die Werbemaßnahmen und die Vertriebspartner. Die Unternehmensorganisation in dem Businessplan ist auch wichtig, welche Rechtsform soll bestehen, wer erledigt im Betrieb welche Aufgaben, welche betriebliche Organisationsform, kann das Controlling sichergestellt werden, wann werden wie viele Mitarbeiter eingestellt, sind dafür Qualifikation notwendig und sind Schulungsmaßnahmen der Mitarbeiter vorgesehen.

In dem Geschäftsplan müssen neben der Geschäftsidee auch die Risiken und Chancen abgewogen werden, dabei sind die größten Chancen des geplanten Unternehmens zu nennen, aber auch die größten Probleme, wodurch es zu Behinderungen kommen könnte. Die Finanzierung ist neben der Geschäftsidee ein wichtiger Punkt. Dazu gehören die Lebenshaltungskosten, Reserven für Krankheit oder Unfall und die Höhe von dem Eigenkapitalbedarf. Vielleicht können Kostenvoranschläge vorgewiesen werden, Höhe Eigenkapitalanteil, Sicherheiten, Bedarf an Fremdkapital, Förderprogramme, Beteiligungskapitalgeber, Möglichkeit eines Leasings von Objekten, Einzahlungen aus Forderungen, monatliche Schätzung der geschäftlichen Kosten, Investitionskosten im ersten Geschäftsjahr, Kapitaldienst monatlich, Liquiditätsreserven, geplanter Umsatz, Gewinn und Kosten der ersten drei Geschäftsjahre. Zu dem Businessplan mit der Geschäftsidee müssen Unterlagen wie eine Übersicht über die Sicherheiten, Schutzrechte, Gutachten, Marktanalysen, Branchenkennzahlen, Entwurf eines Kooperationsvertrages und Leasingvertrages, Entwürfe für einen Gesellschaftervertrag und Pachtvertrag, sowie ein tabellarischer Lebenslauf eingereicht werden.